Brückenlegesystem LEGUAN

Mit dem Brückenlegesystem LEGUAN verfügen bereits heute zahlreiche Streitkräfte und NATO-Alliierte ein hervorragendes System, das den veränderten Einsatzanforderungen in jeder Hinsicht genügt.

Das Brückenlegesystem LEGUAN ist die konsequente Weiterentwicklung des Verlegeprinzips der Panzerschnellbrücke BIBER. Diese ist auf dem LEOPARD 1 Fahrgestell seit den 70-iger Jahren bei der Bundeswehr im Einsatz. Seit der Kampfwertsteigerung des Kampfpanzers LEOPARD 2 A4 zum A5, Anfang der Neunziger Jahre, reicht allerdings die Tragfähigkeit der BIBER-Brücken nicht mehr aus. Das System LEGUAN von Krauss-Maffei Wegmann, dessen Brücken problemlos mit Fahrzeuge der Klasse MLC80 passiert werden können, bietet hier nicht nur ausreichend Kapazität für die in der Bundeswehr eingeführten Systeme (Limit derzeit MLC70) sondern ist über dies auch noch dazu in der Lage zukünftige Systeme oder überschweres Großgerät verbündeter Streitkräfte zu tragen.

Basierend auf dem Fahrgestell des Leopard 2 wurde das System konsequent den heutigen Erfordernissen zum globalen Einsatz und im Rahmen von Auslandseinsätzen angepasst. So ermöglicht das System erstmals das Verlegen und Aufnehmen von Brücken unter Panzerschutz. Der Gesamtschutz profitiert von einer druckdichten Schottwand mit Türe, die den Raum der Mannschaft im Wannenbug (Kommandanten- und Fahrerplatz) von der Hydraulik im Technikraum abtrennt. Das innovative Schutzkonzept entstand auf Basis von Studienergebnissen, speziell für diese Familienfahrzeuge.

Der LEGUAN -Brückenleger kann eine Brücke von 26 Metern oder zwei Brücken von 14 Metern Länge verlegen, wobei die Hindernisbreiten 24 bzw. 12 Meter betragen können. Zur Überwindung von größeren Hindernisbreiten sind so genannte überlappte Verlegungen möglich:

  • bei zwei 26 Meter Brücken mit maximaler Hindernisbreite von 40m,
  • bei einer 26 Meter sowie einer 14 Meter Brücke mit maximaler Hindernisbreite von 32m,
  • bei zwei 14 Meter Brücken mit maximaler Hindernisbreite von 20m.


Die Verlegeeinrichtung ist so ausgelegt, dass bei einem Wechsel von 26 auf 14 Meter Brücken keine Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Der Verlegeprozess erfordert kein zusätzliches Verfahren des Fahrzeuges.

Das automatische Verlege- und Wiederaufnahmesystem erlaubt es, eine Brücke in ca. fünf Minuten (14 Meter Brücke) und sechs Minuten (26 Meter Brücke) horizontal mit nur einer Person zu verlegen. Dabei bleibt die flache Silhouette des Fahrzeugs erhalten. Das Wiederaufnahmeverfahren dauert 8 Minuten bei der 26 Meter Brücke und nur sieben Minuten bei der 14 Meter Brücke. Das System ist bei Tag und durch Entfernungsmessgeräte, Wärmebild- und CCD-Kamera auch in der Nacht verlegefähig. Die Bedienung von nur einem Soldaten selbst bei geschlossener Luke wird unter anderem auch durch übersichtliche Bedienelemente mit grafischer Bedienoberfläche gewährleistet. Ein integriertes Programm zum Selbsttest des Systems garantiert die hohe Zuverlässigkeit. Darüber hinaus verfügt der LEGUAN über ein Notbetriebssystem zum Verlegen und Wiederaufnehmen der Brücken.

Die ausgereifte Technik des LEOPARD 2 Fahrgestells gewährleistet auch den Einsatz des Brückenlegesystems LEGUAN bei schwierigen Ufer- bzw. Randbedingungen:

  • Längsneigung des Trägerfahrzeuges: ± 10%,
  • Querneigung des Trägerfahrzeuges: ± 5%,
  • Neigungsdifferenz der Uferauflagen: ± 5%,
  • Längsneigung der Brücke: +/- 10%,
  • Niveaudifferenz von Brücke und Verlegefahrzeug: 0,2m.


Brückenlegesystem LEGUAN international im Einsatz KMW hat den Brückenlegepanzer LEGUAN auf Basis LEOPARD 1 für die norwegischen, griechischen, belgischen, chilenischen und türkischen Streitkräfte realisiert. Das Verlegesystem kann jedoch auch auf andere gebrauchte oder neue Fahrgestelle von Kampfpanzern aufgebaut werden. Als Trägerfahrzeuge können neben neuen auch andere gebrauchte Fahrgestelle von Kampfpanzern umgebaut werden.
So sind beispielsweise Systeme auf den Kettenfahrzeugen

  • LEOPARD 2 für die finnischen Streitkräfte,
  • M60/M47 für die spanischen Streitkräfte,
  • polnischen T91/T72 für die malaysischen Streitkräfte,
  • M1A1/A2 WOLVERINE Heavy Assault Bridge (HAB) für die US-Streitkräfte im Einsatz.


Die Brücke lässt sich auch von Radfahrzeugen wie zum Beispiel dem 8x8 der MAN und dem 10x10 Fahrzeug der finnischen Firma SISU verlegen.

Auslandseinsatz-relevante Ausstattung
Essentielle Anforderungen aus den realen Bedürfnissen der in Auslandseinsätzen tätigen Kräfte sind am System LEGUAN Leopard 2 bereits umgesetzt. So verfügt das System nebst dem missionsgerechten Schutzsystem auch über eine Kühlanlage und der Vorrüstung zur Aufnahme eines modernen BMS-Systems. Mittenabdeckungen, Geländer und Lastenzählgerät sind ebenfalls als Rüstsatz verfügbar und erweitern somit Nutzbarkeit der Brücken zur Wiederherstellung von Versorgungswegen bzw. zur Nutzung durch Zivilverkehr.

Die LEGUAN -Brücke als Schwimmbrücke und Fähre
Mit Hilfe zusätzlicher Pontons und hydraulisch betriebenen Rampen kann die LEGUAN -Brücke des Weiteren auch zum Bau von Fähren verwendet werden. Der Brückenleger verlegt die Brücke über die Pontons, an denen die Brücke befestigt wird. Die integrierten Wasserstrahlantriebe sorgen auch in seichten Gewässern für höchste Manövrierfähigkeit. Über hydraulisch verstellbare Rampen, die an den Brückenenden angebracht werden, kann die Fähre befahren werden. Selbst Schwimmbrücken lassen sich mit dem LEGUAN -System schnell realisieren, indem mehrere Fähren aneinandergekoppelt und somit durchgehend befahren werden können.

Das Brückensystem LEGUAN von Krauss-Maffei Wegmann zeichnet sich durch seine breite Verwendbarkeit aus. In Verbindung mit verfügbarem Zubehör lässt sich das System Neben den 26 und 14 Meter Brücken auch als Schwimmbrücke und Fähre einsetzen. Das Brückenlegesystem LEGUAN ist bereits bei zahlreiche Streitkräfte und NATO-Alliierte im Einsatz und entspricht dort in jeder Hinsicht den militärischen Anforderungen und interoperabel einsetzbar.

Auch in der neuen Zielstruktur des Deutschen Heeres sind Fähigkeiten zur Überwindung von Flüssen und Hindernissen im Rahmen von schnell laufenden Operationen ausgeplant, was den Einsatz dieser Kampfunterstützungssysteme zwingend erforderlich macht.
Die Bundeswehr hat bereits seit 2009 das Brückensystem LEGUAN mit Fahrgestell LEOPARD 2 in der Erprobung, wobei die Testergebnisse bei den Erprobungen durch die Wehrtechnischen Dienststellen 41 und 51 mit über 1.800 Stunden Fahrerprobung und über 500 Brückenverlegungen als sehr erfolgreichen anzusehen sind. Auch eine Erprobung des Systems durch die TH Aachen hinsichtlich der logistischen Einsatzreife verlief ohne größere Beanstandungen und bestätigte die hohe Einsatzreife. Demzufolge gilt seit diesen Ergebnissen das System als beschaffungsbereit.

Das System wird derzeit bei KMW seriell gefertigt und somit die Gelegenheit eines wirtschaftlichen Einstieges gegeben. Der Bundeswehrführung obliegt es nun, unter Berücksichtigung der aktuellen Einsatzszenarien und den damit verbundenen Erfordernissen das System ohne Verzug den Streitkräften zuzuführen.