Aktives Training von Einsatzfahrten

Sicheres Handling des Einsatzfahrzeugs bei hoher Geschwindigkeit mit Blaulicht, die richtige Einschätzung der aktuellen Gefahrensituation, der Polizeifunk - dieses Multitasking kann selbst den erfahrendsten Polizisten in erhöhte Stresssituation versetzen.

Mit freundlicher Genehmigung der pvt POLIZEI VERKEHR & TECHNIK, Original erschienen in pvt 1/14, www.pvtweb.de

München, 20.01.2013 | Das sichere Handling des Einsatzfahrzeugs bei hoher Geschwindigkeit mit Blaulicht, die richtige Einschätzung der aktuellen Gefahrensituation, der Polizeifunk und dazu das Abstimmen mit Kollegen - dieses Multitasking kann selbst den erfahrendsten Polizisten in erhöhte Stresssituation versetzen.

Erhöhte Sorgfalt für Fahrer von Einsatzfahrzeugen

Dazu kommt eine rechtliche Unsicherheit durch den Gesetzgeber, wie Urteile zu Unfällen bei Blaulichtfahrten immer wieder belegen. „Trotz eingeschaltetem Blaulicht ist der Fahrer eines Einsatzfahrzeuges zur besonderen Rücksichtnahme auf den Verkehr verpflichtet. Fährt er mit Blaulicht, aber ohne Martinshorn, über eine rote Ampel mit mindestens 67 km/h in eine Kreuzung ein und erfasst dabei einen Motorradfahrer, der bereits angehalten hat, trifft ihn das alleinige Verschulden an dem Unfall.“ So das Urteil OLG Nürnberg, Az. 4 U 2349/99 im Falle eines schweren Verkehrsunfalls. Auch das OLG Dresden, Az. 12 U 2428/00 urteilte so mit der Begründung: „Durch die Fahrt mit Blaulicht und Martinshorn erhöht sich die Betriebsgefahr des Einsatzfahrzeuges, das dadurch zu einer Behinderung und einer abstrakten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer kommt. Der Fahrer des Einsatzfahrzeuges hat daher mit erhöhter Sorgfalt darauf zu achten, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden.“

Ausbildungsprinzip „learning by doing“

Wichtige Einsatzfahrten der Polizei können sehr schwer bzw. meist gar nicht geübt werden, doch eine richtige Vorbereitung ist unverzichtbar. „Learning-by doing“ – dieses Ausbildungsprinzip ist in der Aus- und Weiterbildung von Polizisten wirklich gefahrlos  nur mit Hilfe von modernen Fahrsimulatoren unter Verwendung einer sehr effektiven und realistischen Simulations-Software möglich. Krauss-Maffei Wegmann (KMW) bietet hierfür eine eigens entwickelte Lösung an, die bereits international als effektives Trainingsmittel genutzt wird.

Die Fahrsimulatoren setzen Akzente im Bereich der Unterstützung des Fahrlehrers/ Ausbilders, bei der Übungserstellung, Übungsdurchführung und der Überwachung sowie Bewertung der Trainingsfahrten. Durch das Echtzeitsystem kann der Ausbilder auch während der Fahrt alle Einstellungen an das Können des Fahrschülers anpassen oder optimiert eingreifen. Durch einfache Handhabung mittels „Drag and Drop“ kann per Mausklick  ein Szenario neu kreiert, ein bestehendes Szenario wieder aufgerufen, oder sogar während der Übungsfahrt  angepasst und verändert werden. Das aufwändige Umprogrammieren von bestehender Übung entfällt damit und erhöht das Ausbildungspotential enorm.

Zusätzlich kann der Ausbilder mit unterschiedlichen Mitteln die Übungen für die Polizeikräfte gezielt anpassen. Dazu zählt eine Grundausbildung mittels:

  • Bestimmen von Witterungsverhältnissen (Regen, Schnee, Nebel)
  • Verändern der Tageszeit (Tag, Dämmerung, Nacht)
  • Anpassbares Verhalten der Verkehrsteilnehmer
  • Einstellen der Dichte des automatisch generierten Verkehrs
  • Setzen und Konfigurieren von Ereignissen wie z.B. unvorhersehbare Aktionen von anderen Verkehrsteilnehmern, wie z.B. Radfahrern, Autofahrern oder Fußgängern
  • Eingreifen durch den Ausbilder mittels selbstgesteuertem, weiteren Einsatzfahrzeug.

 

Mit gezielter Generierung von Übungsinhalten ermöglicht man den Polizeikräften ein vertiefendes Fahrtraining inklusive:

  • Belastungstraining durch mehrere aufeinanderfolgende Gefahrensituationen
  • Erschwerte Trainingsbedingungen durch verschiedenste Sichteinschränkungen
  • spezielles Ereignis- und Gefahrwahrnehmungstraining
  • Training von speziellen Einsatzbedingungen, wie z.B. geänderter Vorfahrtregelung
  • Handlungstraining für die Sicherheit in Stresssituationen
  • Verhalten im Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern (Erhöhung der Konzentrationsfähigkeit, andere Verkehrsteilnehmer bewusst und umfassend wahrnehmen)
  • Handling des Fahrzeugs unter Extrembedingungen
  • Korrekte Kommunikationswege einhalten
  • Multitaskingfähigkeiten ausbauen
  • Überwachungsfahrten für Polizeikräfte
  • Koordination mehrerer Einsatzfahrzeuge untereinander
  • Früherkennen von Situationen.

 

Vernetztes Fahren

Simulationssysteme für Einsatzfahrten sind von KMW sowohl für PKW als auch für LKW realisiert. Die Software verbindet beide und stellt sicher, dass auch vernetzt ausgebildet werden kann. Vernetztes Fahren bedeutet dabei, dass zwei oder mehr Fahrsimulatoren sich gleichzeitig in der virtuellen Welt bewegen und sich auch gegenseitig in der Sichtdarstellung sehen können. Bei Einsatzfahrten ist ferner eine ausführliche und sichere Kommunikation zwischen den Einsatzfahrzeugen wichtig und kann optimal an den vernetzten Simulationssystemen trainiert werden. Der Ausbilder selbst kann ein weiteres Fahrzeug in der Simulation individuell steuern und damit gemeinsame Einsätze oder auch sich überschneidende Einsatzfahrten mit anderem Auftrag simulieren. Gezielte Fahrausbildung für Einsatzkräfte ist unverzichtbar. Der Stand der Technik erlaubt mittlerweile eine sehr realitätsnahe Simulation, die den Polizisten in verschiedensten Bereichen optimal unterstützen kann. Zusätzlich spielt der Bereich Visual System eine große Rolle - d.h. die Art der Darstellung der virtuellen Welt generiert den Grad an Realitätsempfinden. Es ist wichtig, dass Fahrer vergessen können, dass sie sich „nur“ in einem Simulator befinden. Themen wie vernetztes Fahren also Ausbildung von Fahrten mit mehreren Fahrzeugen oder Gassenbildung erhöhen den Ausbildungslevel deutlich. Durch Standardprodukte wie handelsübliche PCs kann eine nachhaltige, kostengünstige Ausbildung geboten werden, die auch sehr zukunftsorientiert modular erweitert und kundenspezifisch angepasst werden kann.


Die Geschichte zeigt, dass Fahrerassistenzsysteme wie ABS und ESP heute unverzichtbar sind. So wird auch hochwertiges und erfolgreiches Training in Zukunft eine immer größere Rolle spielen, um die Sicherheit auf den Straßen in allen Bereichen deutlich zu erhöhen.